Aus Tradition modern - Nizza

Die südfranzösische Hafenstadt Nizza ist in der Nähe Italiens zwischen Monaco und Cannes gelegen. Das Seebad an der malerischen „Engelsbucht“ Baie des Anges ist mit etwa 364.000 Einwohnern die fünftgrößte Stadt Frankreichs. Durch ihre geschützte Lage in der Verlängerung des Mercantour-Massivs ist sie außerdem eine der wärmsten Städte an der Côte d’Azur.

Schon im 19. Jahrhundert war Nizza aufgrund des milden Klimas ein beliebtes Winterquartier für den europäischen Hochadel – hier logierten beispielsweise der russische Zar und Königin Victoria. So viele Landsleute der englischen Herrscherin taten es ihr gleich, dass Alexandre Dumas 1851 scherzte, Nizza sei eigentlich eine englische Stadt, in der man hin und wieder auch einen Einheimischen träfe.

Nizzas Ursprünge liegen im 4. vorchristlichen Jahrhundert, als die Phokäer aus der Gegend um Marseille die Ligurer besiegten und die Siedlung Nikaïa gründeten. Der Name bezieht sich auf die Göttin Nike und bedeutet in etwa „die Siegreiche“. Im Laufe ihrer Geschichte gehörte die Stadt den Römern und Ostgoten und wurde später Teil des Frankenreichs. Erst nach einer Volksabstimmung im Jahr 1793 wurde die Grafschaft Nizza Frankreich als 85. Département namens Alpes-Maritimes angegliedert.

Die bewegte Vergangenheit der Stadt lässt sich heute an ihrer reizvollen architektonischen Vielfalt ablesen: Barock, Klassizismus, Belle Époque, Art déco und Gegenwartskunst sind so reich vertreten, dass 32 Stätten als Kulturerbe gelten. Erleben Sie eine einmalige Verbindung von Geschichtsbewusstsein und Avantgarde in einer Stadt, in der die Moderne Tradition hat.



 

Sightseeing

Die dreigeteilte Stadt
Das heutige Nizza besteht aus drei historisch gewachsenen Stadtteilen:

Die Altstadt im Osten mit der Butte de Château und dem Hafen zeichnet sich durch zahlreiche Paläste, Kirchen und bunte Märkte aus. Führungen zu ihren vielen Sehenswürdigkeiten beginnen jeden Samstag um 9.30 Uhr beim Empfangsbüro in der Promenade des Anglais Nr. 5.

Die Neustadt im Westen ist bekannt für ihre Villenviertel und die Promenade des Anglais, die Richtung Südwesten bis zum Flughafen führt.

Der vornehme Stadtteil Cimiez liegt auf dem Plateau der ehemaligen Römerstadt Cemenelum, deren Ruinen bei Bauarbeiten in den 50er Jahren entdeckt wurden. Diese sind im Museums- und Promenadenpark Parc des Arènes zu bewundern. Besonders eindrucksvoll ist das Amphitheater aus dem 1. Jahrhundert, das mit seinen 6.000 Sitzplätzen noch heute für Veranstaltungen genutzt wird. Außerdem befindet sich hier seit dem 9. Jahrhundert ein Franziskanerkloster, dessen Friedhof die Grabstätten bekannter Maler wie Raoul Dufy und Henri Matisse beherbergt.


Architektonische Meisterleistungen
Nizza begeistert Liebhaber schöner Architektur besonders mit barocken Meisterleistungen. Besuchen Sie beispielsweise die beiden epochentypischen Platzanlagen Place Garibaldi und Place Masséna, die nach Turiner Vorbildern gestaltet wurden. Jenseits dieser Plätze beginnt die Neustadt mit ihren Luxushotels, Appartementhäusern und Villen aus der Belle Époque.

An der Südseite der Neustadt lädt die Promenade des Anglais, die zwischen 1822 und 1824 angelegte Prachtstraße, zu einem Spaziergang ein. Die wohl berühmteste Flaniermeile der Welt ist der Initiative der englischen Besucher im 19. Jahrhundert zu verdanken. Heute gehört sie an je einem Sonntag im Monat ausschließlich den Flanierenden, Inline-Skatern, Radfahrern und Kutschen.

Ebenso interessant ist das Palais Lascaris aus der Mitte des 17. Jahrhunderts, das damals mit seinem aristokratischen Prunk eine architektonische Revolution darstellte.


Naturerleben für Groß und Klein
Wilder geht es dagegen im Vallée des Merveilles zu, in dem der 70.000 ha große Nationalpark Mercantour liegt. Er befindet sich etwa 1,5 Fahrstunden nordöstlich von Nizza. Von Juni bis Oktober können Sie hier atemberaubende, unberührte Natur zu Fuß oder im Geländewagen mit Führer entdecken. Im Winter ist das Naturschutzgebiet nur mit Schneeschuhen oder für Skiwanderer zugänglich. Eine reiche Flora und Fauna finden Sie z. B. an den über 35 Gletscherseen des Mont Gégo.

Neben Steinböcken, Murmeltieren und Raubvögeln hat die Gegend wieder eingewanderte Wölfe zu bieten. Besichtigen Sie hier unbedingt einige der etwa 40.000 Felszeichnungen aus der frühen Bronzezeit – dies ist die größte Einheit solcher Kunstwerke unter freiem Himmel.

Ein für Kinder ideales Naturerlebnis ist der Parc Phoenix direkt vor Nizza mit seinen 20 Themengärten und exotischen Tieren. Bei Klein und Groß sehr beliebt ist außerdem das Marineland, der größte Meerespark Europas. 

Kultur

Sakraler Barock
Besonders in Nizzas Altstadt treffen Sie auf viele barocke Sakralbauten. Typisch für den Barock als Ausdruck der Gegenreformation sind geräumige Kirchenschiffe mit bunten Glasfenstern, detailverliebte Ornamente und Fresken, Trompe-l’œil-Effekte und imposante Fassaden. Besichtigen Sie z. B. die Kathedrale Sainte-Réparate aus dem 17. Jahrhundert. Von der darüberliegenden Burg aus können Sie auch ihren Grundriss erkennen: Ein lateinisches Kreuz mit einer Kuppel genau auf dem Kreuzungspunkt des Querschiffes.

Sehr faszinierend sind auch die Verkündigungskirche Sainte-Rita, die Kirche Saint-Martin-Saint-Augustin und die Église la Miséricorde. Die Chapelle du Saint-Sépulcre an der Achse der Route Royale ist für ihre besonnene Feierlichkeit bekannt, die Chapelle de Notre-Dame-du-Mont-Carmel für ihre kunstvolle Innenarchitektur.

Kunstmetropole Nizza
Die zahlreichen Museen von Nizza sind vor allem für Kunstbegeisterte interessant. Das Musée international d’art naïf Anatole Jakovsky im Château Sainte-Hélène zeigt eine weltweit einzigartige Sammlung naiver Malerei vom 17. Jahrhundert bis heute. Das Musée des Beaux Arts wurde auf Wunsch Napoléons III. angelegt. Seine Gemälde- und Skulpturensammlung umfasst zahlreiche Werke vom 15. bis zum 20. Jahrhundert, u. a. von Manet und Degas.

Das Musée Matisse ist malerisch auf dem Berg Cimiez in einer genuesischen Residenz aus dem 17. Jahrhundert gelegen. Hier können Sie die Privatsammlung des berühmten französischen Künstlers bewundern, der viele Jahre in Nizza lebte. Ganz in der Nähe liegt das Musée Message Biblique Marc Chagall. Es beherbergt seine 17 biblischen Gemälde sowie die Skizzen, an denen sich ihre Entstehungsgeschichte nachvollziehen lässt.

Zentren zeitgenössischer Kunst
Fans zeitgenössischer Kunst finden das 20. Jahrhundert im Musée d’Art Moderne et d’Art Contemporain versammelt. Die Pop-Art-Sektion kann mit Namen wie Andy Warhol und Roy Lichtenstein glänzen, der Neue Realismus mit César, Christo und vielen mehr. Konzeptkunst wird u. a. von Sol Le Witt gezeigt. Auch andere moderne und postmoderne Richtungen wie die „Italienische Transavantgarde“, die „Neuen deutschen Wilden“ und die „Freie französische Figuration“ finden ihren Platz mit einer beeindruckenden Vielfalt an Künstlern und Werken.

Ein weiterer Anlaufpunkt für alle Kunstliebhaber ist die Villa Arson. Die Villa aus dem 18. Jahrhundert ist umgeben von zeitgenössischer Architektur aus Stein und Beton. In ihr sind eine Kunsthochschule, ein Zentrum für zeitgenössische Kunst und ein Künstlerwohnheim vereint. Als internationale Pionierschule für Kunst und Forschung ist sie insbesondere der Experimentalkunst gewidmet und bietet jungen Künstlern Umsetzungsmöglichkeiten für ihre Ideen. 

Eat & Drink

„Salade niçoise“ und mehr
Neben Lyon ist Nizza die einzige Stadt Frankreichs, die sich mit „Cuisine niçoise“ einer eigenen kulinarischen Bezeichnung rühmen darf. Die Lokalküche basiert auf frischen einheimischen Zutaten, die meist mit Olivenöl und Kräutern wie Rosmarin, Thymian, Bohnenkraut, Salbei, Majoran und Koriander zubereitet werden.

Der berühmte „Salade niçoise“ ist ein mit Olivenöl angemachter Rohkostsalat, der mit Sardellenfilets und einem hart gekochten Ei verfeinert wird. Probieren Sie dazu unbedingt die „Pissaladière“, eine mit Oliven und Sardellen garnierte Zwiebelpizza. Scharf, aber lecker ist „Socca“, ein flacher Blätterteigkuchen aus Kichererbsenteig, der sehr heiß serviert wird. Ein typisches und zugleich ungewöhnliches Dessert ist der Mangoldkuchen „Tourte de blettes”. Zwischen zwei Teigschichten befindet sich eine Füllung aus gezuckertem Mangold, in Pastis eingelegten Pinienkernen und Rosinen. Genießen Sie dazu einen der hervorragenden Weißweine der lokalen Weingüter.

Gastronomie vom Feinsten
Hervorragende Restaurants mit heimischer und internationaler Küche gibt es in Nizza viele: Trüffelliebhaber kommen z. B. im Terres de Truffes auf ihre Kosten, Vegetarier im Zucca Magica, dem „Zauberkürbis“. Legendäre Lokalküche serviert das La Merenda in der Rue de la Terrasse mit Spezialitäten wie Ochsenschwanz in Orangensoße an Polenta. Traditionellerweise zahlt man bar, modernerweise ist das gesamte Lokal rauchfreie Zone.

Neue empfehlenswerte Adressen: Das erst kürzlich eröffnete Café Lenôtre an der Promenade des Anglais verfügt mit Olivier Poussier über den „besten Sommelier der Welt“. Das Design des Gourmettreffs zeichnet sich durch einfache, aber raffinierte grafische Elemente aus. Ganz anders wirkt da der junge Weinkeller mit Bistro La Part des Anges. In gemütlicher Atmosphäre kann man hier abends wunderbare Delikatessen wie Flusskrebsschwänze mit Parmesanspänen essen und dazu einen Wein von der beeindruckenden Weinkarte genießen.  

Shopping

Malerische Märkte
Der Cours Saleya in Alt-Nizza ist für seine malerischen Märkte bekannt. Zu den schönsten zählt der berühmte Blumenmarkt, der auf dem belebten Platz täglich außer montags stattfindet. Gewächshaus- und Feldblumen bieten hier das ganze Jahr über ein buntes, duftendes Fest für die Sinne. In der Nähe findet außerdem der Obst- und Gemüsemarkt statt, der vom Nationalrat für kulinarische Kunst zu einem der außergewöhnlichsten Märkte Frankreichs gewählt wurde. Montags, außer am Vortag von Feiertagen, nimmt der Trödelmarkt den Platz ein, und von Juni bis September wird er abends von Kunsthandwerkern und Malern beansprucht.

Vor dem Gerichtsgebäude gibt es darüber hinaus regelmäßige Themenmärkte. Bücherfans werden hier am 1. und 3., Sammler alter Ansichtskarten am 4. Samstag jeden Monats fündig.

Marken-Shopping
Nizzas Einkaufsparadies befindet sich im „Goldenen Dreieck“ zwischen der Rue Paradis, der Avenue de Suède und der Avenue de Verdun. Hier sind etwa 50 große Markennamen wie Chanel, Hermès, Cartier, Armani, Ventilo, Lacoste, Longchamp, Kenzo und Max Mara angesiedelt. In den Galeries Lafayette in der Avenue Jean Médecin beispielsweise finden Sie auf 13.000 m2 die neueste Mode – vom günstig Erschwinglichen bis zu Luxusmarken wie Dior.

Als Geheimtipp gilt Muriele Cauvre in der Rue d’Anvers. Die Spezialität der Schmuckdesignerin aus einer alten einheimischen Juweliersfamilie sind raffiniert-moderne Kreationen mit schwarzen Diamanten. Wenn Sie wundervolle Düfte lieben, sollten Sie bei Molinard in der Avenue Saint-François de Paule vorbeischauen. Das museumsähnliche Geschäft bietet eine reiche Auswahl an Parfüms, Eaux de Toilette und ätherischen Ölen sowie Kreationen der „Ateliers Découvertes et Incentives“ an. 

Specials

Spannendes Wasser
Warum nur am Strand liegen, wenn das Wasser so spannende Möglichkeiten bietet? Nicht weit von Nizza entfernt warten das „Reservat der Meeressäugetiere“ und 20 Tauchgebiete für Einsteiger und Geübte auf Sie. Hier können Sie mit der Sauerstoffflasche auf dem Rücken Walen, Seesternen, Drachenköpfen und Muränen von Angesicht zu Angesicht begegnen. Die Tauchschule ist von April bis Oktober täglich und im März, November und Dezember an den Wochenenden geöffnet.

Das Alpes-Maritimes-Gebiet hat darüber hinaus einige der schönsten Canyons Europas zu bieten. Einsteigerkurse für Wildwassersport führen Sie z. B. zur Gorges de Daluis, Gorges du Cians und Gorges du Verdon. Erforschen Sie diese beim abenteuerlichen Canyoning oder bezwingen Sie die Wildbäche beim Rafting im Schlauchboot. Besondere Spannung bietet eine Tour im Airboat, einem Einmann-Schlauchkajak. Ihr Abenteuer wird natürlich von einem professionellen Führer begleitet.

Exzentrische Exkursionen
Nizza kann man ganz einfach kennen lernen, z. B. im Touristenbus mit Panoramadeck bei der „Nice – Le grand Tour“. Aber wie wäre es damit, die Stadt und ihre Umgebung auf unkonventionellere Weise zu erkunden? Die Côte d’Azur einmal anders erleben können Sie beispielsweise bei Nacht: Das Fremdenverkehrsamt bietet nächtliche Bustouren u. a. nach Monte Carlo und nach Cannes sogar eine Miniaturkreuzfahrt.

Ein unvergessliches Erlebnis ist auch eine Besichtigungstour im Sammlerfahrzeug: Originell und individuell geht es im Oldtimer-Kabriolett für zwei Personen die Küste entlang. Sie fahren selbst, und Ihr Road Book zeigt Ihnen lohnende Zwischenstopps.

Nizza aus der Luft zu erkunden ist exklusiv und atemberaubend – wenn auch etwas kostenintensiver. Abflug ist am Flughafen Nizza Côte d’Azur mit einem Hubschrauber „Ecureuil“ von Nice Hélicoptères. Besonders spektakulär ist ein Panoramaflug mit Landung auf dem Weingut des Château de Berne in Lorgues.

Musikalische Höhepunkte
Jedes Jahr hat Nizza Musikfreunden zwei besondere Höhepunkte zu bieten. Vom 27. Juli bis zum 12. August lädt das Franziskanerkloster Cimiez zu den „Musikalischen Nächten von Cimiez“ ein: Im romantischen Rosengarten genießen Sie bei den von der Internationalen Sommerakademie organisierten Festspielen Kammermusik vom Feinsten. In mehr als 10 Konzerten treten hier international bekannte Künstler auf, die von lokalen Orchestern begleitet werden.

Freunden modernerer Musik ist das Nice Jazz Festival zu empfehlen. Die weltweit renommierte Veranstaltung findet 2006 vom 19. bis zum 26. Juli in der Arena, im Matisse-Museum und in einem alten Olivenhain statt. Anders als der Name vermuten lässt, steht nicht ausschließlich Jazz auf dem Programm. Das Festival ist offen für verschiedene Stilrichtungen – mit Jazz, Pop, World Music, Blues, Soul, R&B und Funk ist für jeden Geschmack etwas dabei. 

Wegbeschreibung und nützliche Hinweise

Vom Flughafen an Ihr Ziel
Der Airport Nizza ist an der Promenade des Anglais am westlichen Ende der Stadt gelegen und befindet sich nur etwa 7 km vom Stadtzentrum entfernt. Taxis und Mietwagen stehen direkt am Flughafen zur Verfügung. In die Innenstadt gelangen Sie auch mit den Flughafen-Express-Buslinien 98 und 99. Den dafür notwendigen 1-Tages-Pass können Sie für 4 Euro in den Bussen selbst oder in den Ligne d'Azur Verkaufsbüros erwerben. Ein solcher Fahrschein ermöglicht Ihnen außerdem für die Dauer eines Tages unbegrenzte Fahrten im gesamten Busnetz. Einzelheiten zu den Fahrplänen finden Sie auf der Website www.lignedazur.com.

Reiseliteratur
Eine umfangreiche Auswahl an Reiseliteratur über Nizza finden Sie im Liontravel Shop.


Alle Angaben verstehen sich ohne Gewähr, Änderungen vorbehalten.
 

Quiz

Testen Sie Ihr Wissen über Nizza:

Frage 1
Ursprünglich wurde Nizza gegründet von den:

a) Ligurern
b) Phokäern
c) Römern


Frage 2
Welche Göttin ist die Namenspatronin Nizzas?

a) Nike
b) Hekate
c) Lakshmi


Frage 3
Wo finden die „Musikalischen Nächte von Cimiez“ statt?

a) Im Opernhaus
b) Im römischen Amphitheater
c) Im Franziskanerkloster


Frage 4
Wo gibt es die besten Düfte Nizzas?

a) Bei Molinard
b) In den Galeries Lafayette
c) Bei Muriele Cauvre


Frage 5
Was ist eine „Pissaladière“?

a) Eine römische Amphore
b) Eine Zwiebelpizza mit Sardellen und Oliven
c) Eine Schüssel zum Abtropfen von Salat

 

 

 

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